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COLEXON Energy: „Stehe der Neuregelung sehr kritisch gegenüber“17.08.2010 (www.cleantech-aktien.de) - Thorsten Preugschas, Vorstandschef von COLEXON Energy, kritisiert die Neuregelung der Solarstromvergütung im EEG. Über die Pläne des Unternehmens, die Marktentwicklungen in Deutschland im Ausland zu kompensieren sowie die Entwicklung der Geschäfte im ersten Halbjahr hat sich Preugschas mit unserer Redaktion unterhalten. www.cleantech-aktien.de: Im Vergleich zum ersten Halbjahr rechnen Sie in der zweiten Jahreshälfte mit deutlichen Bremsspuren. Wie stark war der Effekt aus der Sonderkonjunktur in Deutschland auf Umsatz und Ergebnis in der ersten Jahreshälfte 2010? Preugschas: Es hat im ersten Halbjahr einen regelrechten Run auf Solaranlagen gegeben. Der Grund dafür ist schnell gefunden. Bundesrat und Bundestag haben die Einspeisevergütung in Deutschland zum zweiten Halbjahr drastisch gesenkt. Zudem sind Ackerflächen ab dem 1. Juli nicht mehr förderfähig. Diese politischen Beschlüsse haben bewirkt, dass viele Kunden ihre Investitionsentscheidungen für Solaranlagen vorgezogen haben. Ich bin mir sicher, dass noch nie so viele Solaranlagen in einem Quartal installiert worden sind wie von April bis Juni 2010. Von diesen Vorzieheffekten hat sicherlich auch das Geschäft der COLEXON in einem gewissen Maße profitiert. Mit einem EBIT von 8,6 Millionen Euro und einem Umsatz von 109 Millionen Euro blicken wir auf das erfolgreichste erste Halbjahr unserer Unternehmensgeschichte zurück. Nun gilt es diesen Erfolg im zweiten Halbjahr zu festigen und unsere positive Entwicklung fortzusetzen. www.cleantech-aktien.de: Wie sieht Ihre Strategie mit Blick auf die Jahre ab 2011 aus, den Ausfall von Geschäft in Deutschland mit einer verstärkten Internationalisierung zu kompensieren? Auf welche internationalen Märkte wollen Sie vor allem ausweichen? Preugschas: Die Frage ist natürlich für alle Unternehmen aus der Branche interessant. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, welche Märkte langfristig Sinn machen.Frankreich und Italien haben eine sehr attraktive Einspeisevergütung. Und die Sonnenscheindauer ist auch deutlich länger als in Deutschland. Diese Märkte bieten in den nächsten Jahren noch großes Potential. Von daher legen wir bei COLEXON einen sehr hohen Stellenwert auf die weitere Internationalisierung. Unser Projekt in Tschechien zeigt aber, dass wir nicht nur auf die primären Märkte wie Frankreich und Italien drängen. Auch in Deutschland werden wir weiter präsent sein. Mittelfristig werden Märkte wie die USA, Australien oder Großbritannien an Bedeutung gewinnen. Und wenn wir uns die dynamische Entwicklung der Branche vor Augen halten, müssen wir davon ausgehen, dass wir diese Liste bald wieder um weitere Länder werden ergänzen können. www.cleantech-aktien.de: Wann erwarten Sie aus der Internationalisierung größere Beiträge für Umsatz und Ergebnis? Preugschas: Wir sind im ersten Halbjahr in Vorleistungen für eine Reihe von ausländischen Projekten getreten, die erst im zweiten Halbjahr ergebniswirksam verbucht werden. Erste Projekte werden dabei bereits im dritten Quartal erfasst werden. Wir erwarten, dass wir im Laufe des Jahres unseren Auslandsumsatz substanziell steigern werden. www.cleantech-aktien.de: Wie zufrieden sind Sie mit der Neuregelung der Vergütungssätze für Solarstromanlagen im EEG? Preugschas: Generell stehe ich der Neuregelung in dieser Form sehr kritisch gegenüber. Die Kürzungen treffen die Solarindustrie in einer sensiblen Phase. Die Zahlen sind zudem höher ausgefallen, als die Branche es ursprünglich erwartet hatte. Anstelle einer Reduktion wäre eine regionale Vergütung sinnvoller gewesen. Dass in Norddeutschland die Rendite einer Solaranlage bis zu 15 Prozent niedriger ausfällt als in Süddeutschland, hätte in die Änderung der Einspeisevergütung in Deutschland miteinbezogen werden müssen. Frankreich macht vor wie das funktioniert: Dort gibt bis zu 20 Prozent Unterschied in der Vergütung je nach regionaler Sonneneinstrahlung. Unabhängig der zu erwartenden Entwicklungen in anderen Ländern, sollten die unterschiedlichen Einspeisevergütungsregelungen der europäischen Länder mittelfristig einem einstrahlungsbereinigten System in Europa weichen. So könnte man gewährleisten, dass Investoren in Norddeutschland vergleichbare Renditen erzielen wie in Südspanien. Spätestens in drei bis fünf Jahren sollte solch ein europäisches Modell etabliert sein, um eine nachhaltige Entwicklung der Solarbranche zu fördern, die auf einem flächendeckenden Fortschritt basiert. www.cleantech-aktien.de: Wie wird sich Colexon durch die veränderte Vergütungsstruktur im EEG in Deutschland neu aufstellen? Preugschas: Deutschland wird in Zukunft prozentual deutlich weniger zum Umsatz der COLEXON beitragen als in der Vergangenheit. Das haben wir aber bei der stärkeren internationalen strategischen Ausrichtung des Unternehmens berücksichtigt. Aber auch dem deutschen Markt tragen wir Rechnung indem wir uns an die Veränderungen anpassen. Die Verkürzung der Einspeisevergütung betrifft vor allem Freiflächen. Speziell der deutsche Markt wird künftig primär ein Dachmarkt. Wir haben uns bereits in der Vergangenheit stark in dem Bereich großer Dachflächen positioniert. In diesem Zusammenhang haben wir zum Beispiel kürzlich ein neues System für die Leichtbauweise für Solaranlagen auf Flachdächern entwickelt. So bringen wir sowohl das in der Vergangenheit gesammelte Know-how als auch optimierte Produkte für den Markt mit. www.cleantech-aktien.de: Auffällig im Halbjahresbericht ist der negative Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, obwohl zeitgleich auf operativer Ebene deutliche Gewinnanstiege und klar schwarze Zahlen geschrieben wurden. Sie begründen dies mit Veränderungen im Umlaufvermögen, ersichtlich unter anderem im Bereich „Künftige Forderungen aus Fertigungsaufträgen“. Welche Entwicklungen stehen konkret dahinter? Preugschas: Aufgrund der guten Auftragslage des ersten Halbjahres ist unser Working Capital um insgesamt 10,7 Mio. Euro angestiegen. Die COLEXON hat mit Vorarbeiten an vielen Projekten begonnen, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sind. Die Forderungen aus Fertigungsaufträgen erhöhen Umsatz und Gewinn und damit das Working Capital, belasten aber den operativen Cashflow. Durch den Abschluss dieser Projekte erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte ein verringertes Working Capital. Damit dreht sich auch der operative Cashflow wieder ins Plus. www.cleantech-aktien.de: Ist auch damit zu rechnen, dass der Cashflow im Jahresverlauf deutlich positives Terrain erreicht? Preugschas: Der aktuell negative Cashflow geht lediglich auf die beschriebenen saisonalen Einflüsse zurück. Da wir im aktuellen Geschäftsjahr bereits ausgebucht sind, gehe ich fest davon aus, dass unser Cashflow zum Jahresende deutlich positiv sein wird. Damit werden wir unseren nachhaltigen Wachstumskurs trotz der EEG-Änderungen in Deutschland auch in 2010 weiter fortsetzen. (Autor: mic)
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